{"id":615,"date":"2019-09-05T13:06:17","date_gmt":"2019-09-05T11:06:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.etho-ges.de\/wordpress\/?page_id=615"},"modified":"2024-09-02T18:21:27","modified_gmt":"2024-09-02T16:21:27","slug":"tierversuche","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.etho-ges.de\/wordpress\/de\/beispiel-seite\/tierversuche\/","title":{"rendered":"Ethologische Gesellschaft und Tierversuche"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.etho-ges.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Tierversuche.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-813 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.etho-ges.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Tierversuche.jpg\" alt=\"Tierversuche Seite \u2013 Wissenschaftlerin arbeitet mit einer Graugansschar \" width=\"540\" height=\"300\" \/><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir erforschen das Verhalten von Tieren sowohl in ihrer nat\u00fcrlichen Umwelt als auch in menschlicher Obhut. Dabei interessieren wir uns f\u00fcr freilebende Tiere genauso wie f\u00fcr Labor-, Zoo-, Haus- oder Nutztiere. Bei unseren Forschungsans\u00e4tzen achten wir auf eine tiergerechte Haltung und einen schonenden Umgang mit Tieren. Dies ist uns nicht nur aus Tierschutzgr\u00fcnden ein Anliegen, sondern wir betrachten es auch als eine Grundvoraussetzung f\u00fcr gute wissenschaftliche Praxis, die uns erm\u00f6glicht, Tiere und ihr Verhalten besser verstehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir begr\u00fc\u00dfen das gro\u00dfe gesellschaftliche Interesse an Tierwohl- und Tierversuchsthemen und halten die Diskussionen diesbez\u00fcglich f\u00fcr sehr wichtig. Tierversuche befinden sich seit jeher im Spannungsfeld zwischen dem Erkenntnisgewinn und Tierschutz. Oftmals wird Erkenntnisgewinn in diesem Kontext mit der \u00dcbertragbarkeit des Wissens auf den Menschen gleichgesetzt. Auch wenn dies im Rahmen biomedizinischer Fragestellungen h\u00e4ufig im Vordergrund steht, werden Tiere nicht bei allen Tierversuchen als Modell f\u00fcr den Menschen eingesetzt. Tierversuche werden auch im Rahmen verhaltensbiologischer Grundlagenforschung und angewandter Tierschutzforschung durchgef\u00fchrt, um Erkenntnisse \u00fcber das Verhalten von Tieren und ihre Anspr\u00fcche an die Umwelt zu gewinnen. Tierschutz und Erkenntnisgewinn sind somit nicht zwangsl\u00e4ufig entgegengesetzte Pole eines Kontinuums. Da im Sinne des Tierschutzgesetzes \u201ealle Eingriffe oder Behandlungen zu Versuchszwecken an Tieren, wenn sie mit Schmerzen, Leiden oder Sch\u00e4den f\u00fcr diese Tiere verbunden sein k\u00f6nnen\u201c als Tierversuch eingeordnet werden, geh\u00f6ren auch Versuche mit nur geringen Belastungen f\u00fcr die Tiere dazu, wie z.B. \u00a0das Beobachten von Tieren in einer unvertrauten Umgebung zur Bestimmung von \u00c4ngstlichkeit, Blutabnahmen zur Verwandtschaftsbestimmung oder individuelle Markierungen mittels Transponderchips. In der Schweiz gelten Behandlungen zu Versuchszwecken an Tieren sogar dann als Tierversuche, wenn sie nicht mit Belastungen verbunden sind. Viele verhaltensbiologische Studien werden daher als Tierversuche eingestuft, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht dem \u201eg\u00e4ngigen Bild\u201c eines Tierversuchs entsprechen. \u00a0Das prim\u00e4re Ziel unserer Forschung ist der Erkenntnisgewinn. Um diesen zu garantieren m\u00fcssen Versuchsergebnisse aussagekr\u00e4ftig und reproduzierbar sein, was eine hohe wissenschaftliche Qualit\u00e4t der Versuche voraussetzt. Dies erfordert nicht nur ein ad\u00e4quates Versuchsdesign und eine ausreichende Stichprobe, sondern auch eine m\u00f6glichst geringe Belastung der Tiere durch die Versuchsbehandlungen. Daher sind wir bestrebt unsere Methoden fortlaufend zu optimieren, um den Erkenntnisgewinn zu maximieren und die Belastung der Tiere zu minimieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die St\u00e4rke der Verhaltensbiologie liegt darin, konzeptionelle und methodische Ans\u00e4tze zu liefern, die eine wissenschaftlich fundierte Erforschung des Tierwohls und die Entwicklung tiergerechter Haltungs- und Managementverfahren \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glichen. Dies beinhaltet f\u00e4cher\u00fcbergreifende Versuchsans\u00e4tze unter Einbezug des Verhaltens, der Physiologie und der Genetik. Damit liefern wir biologisch fundierte und tierbasierte Grundlagen zur Beurteilung des Wohlergehens von Tieren. Denn Tierschutz ist als Anliegen zwar ethisch, d.h. von uns Menschen her begr\u00fcndet. Was Tiere zu ihrem Schutz brauchen, ist hingegen biologisch, d.h. von den Tieren her zu begr\u00fcnden. Unser Ziel ist deshalb insbesondere, objektive R\u00fcckschl\u00fcsse auf das Wohlergehen von Tieren zu erm\u00f6glichen und dabei sowohl artspezifische Aspekte, als auch individuelle Erfahrungen der Tiere zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Thema Tierversuche ist emotional sehr aufgeladen. Unser erkenntnisgeleiteter Ansatz kann jedoch zu einer Versachlichung der Auseinandersetzung f\u00fchren. Dazu tr\u00e4gt \u00a0eine offene Kommunikation und Transparenz im Umgang mit Tierversuchen bei. Davon erhoffen wir uns auch ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Notwendigkeit von Tierversuchen in der Verhaltensbiologie. Nur so k\u00f6nnen wir weiterhin qualitativ hochwertige wissenschaftliche Erkenntnisse erzielen, um den Tier- und Artenschutz voranzutreiben und das Wohlergehen von Tieren in menschlicher Obhut zu verbessern.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Falls Sie das Thema interessiert, empfehlen wir Ihnen <a href=\"https:\/\/wwucast.podigee.io\/13-richter\">diesen Podcast<\/a>, in dem unsere ehemalige Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Prof. Helene Richter Wohlergehen, Tierschutz und Reproduzierbarkeit in der tierexperimentellen Forschung ausf\u00fchrlich bespricht.<\/p>\n<hr \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir erforschen das Verhalten von Tieren sowohl in ihrer nat\u00fcrlichen Umwelt als auch in menschlicher Obhut. Dabei interessieren wir uns f\u00fcr freilebende Tiere genauso wie f\u00fcr Labor-, Zoo-, Haus- oder Nutztiere. Bei unseren Forschungsans\u00e4tzen achten wir auf eine tiergerechte Haltung und einen schonenden Umgang mit Tieren. 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Tierversuche werden auch im Rahmen verhaltensbiologischer Grundlagenforschung und angewandter Tierschutzforschung durchgef\u00fchrt, um Erkenntnisse \u00fcber das Verhalten von Tieren und ihre Anspr\u00fcche an die Umwelt zu gewinnen. Tierschutz und Erkenntnisgewinn sind somit nicht zwangsl\u00e4ufig entgegengesetzte Pole eines Kontinuums. Da im Sinne des Tierschutzgesetzes \u201ealle Eingriffe oder Behandlungen zu Versuchszwecken an Tieren, wenn sie mit Schmerzen, Leiden oder Sch\u00e4den f\u00fcr diese Tiere verbunden sein k\u00f6nnen\u201c als Tierversuch eingeordnet werden, geh\u00f6ren auch Versuche mit nur geringen Belastungen f\u00fcr die Tiere dazu, wie z.B. \u00a0das Beobachten von Tieren in einer unvertrauten Umgebung zur Bestimmung von \u00c4ngstlichkeit, Blutabnahmen zur Verwandtschaftsbestimmung oder individuelle Markierungen mittels Transponderchips. In der Schweiz gelten Behandlungen zu Versuchszwecken an Tieren sogar dann als Tierversuche, wenn sie nicht mit Belastungen verbunden sind. Viele verhaltensbiologische Studien werden daher als Tierversuche eingestuft, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht dem \u201eg\u00e4ngigen Bild\u201c eines Tierversuchs entsprechen. \u00a0Das prim\u00e4re Ziel unserer Forschung ist der Erkenntnisgewinn. Um diesen zu garantieren m\u00fcssen Versuchsergebnisse aussagekr\u00e4ftig und reproduzierbar sein, was eine hohe wissenschaftliche Qualit\u00e4t der Versuche voraussetzt. Dies erfordert nicht nur ein ad\u00e4quates Versuchsdesign und eine ausreichende Stichprobe, sondern auch eine m\u00f6glichst geringe Belastung der Tiere durch die Versuchsbehandlungen. Daher sind wir bestrebt unsere Methoden fortlaufend zu optimieren, um den Erkenntnisgewinn zu maximieren und die Belastung der Tiere zu minimieren. Die St\u00e4rke der Verhaltensbiologie liegt darin, konzeptionelle und methodische Ans\u00e4tze zu liefern, die eine wissenschaftlich fundierte Erforschung des Tierwohls und die Entwicklung tiergerechter Haltungs- und Managementverfahren \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glichen. Dies beinhaltet f\u00e4cher\u00fcbergreifende Versuchsans\u00e4tze unter Einbezug des Verhaltens, der Physiologie und der Genetik. Damit liefern wir biologisch fundierte und tierbasierte Grundlagen zur Beurteilung des Wohlergehens von Tieren. Denn Tierschutz ist als Anliegen zwar ethisch, d.h. von uns Menschen her begr\u00fcndet. Was Tiere zu ihrem Schutz brauchen, ist hingegen biologisch, d.h. von den Tieren her zu begr\u00fcnden. Unser Ziel ist deshalb insbesondere, objektive R\u00fcckschl\u00fcsse auf das Wohlergehen von Tieren zu erm\u00f6glichen und dabei sowohl artspezifische Aspekte, als auch individuelle Erfahrungen der Tiere zu ber\u00fccksichtigen. Das Thema Tierversuche ist emotional sehr aufgeladen. 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