Preise
Eine Übersicht aller Auszeichnungen und Fördermöglichkeiten durch die Ethologische Gesellschaft e.V., inklusive Deadlines, kann hier heruntergeladen werden.
Niko Tinbergen Award
Die Ethologische Gesellschaft e.V. verleiht alle zwei Jahre den Niko Tinbergen Preis für herausragende Wissenschaftler*innen nach der Promotion im Bereich der Verhaltensbiologie und ähnlichen Forschungsgebieten. Der Preis ist nach Prof. Nicolaas Tinbergen (1907–1988) benannt, der als einer der Gründer der Ethologie gilt. Jede Studentin und jeder Student der Verhaltensbiologie lernt die vier tinbergschen Fragen [1] kennen. Die Bedeutung, Ontogenese, Mechanismen, Funktionen und Evolution von Verhaltensmerkmalen zu betrachten, hat seit Tinbergens wegweisendem Artikel im Jahr 1963 in der Zeitschrift für Tierpsychologie (heute Ethology), die auch den Tinbergen Award sponsort, nicht abgenommen. Tinbergen hielt es für wichtig, zwischen allen vier Fragen zu unterscheiden, sie aber gleichzeitig gemeinsam zu untersuchen. Vor einigen Jahren schlug Robert Sapolsky eine aktualisierte Sicht auf die vier tinbergschen Fragen vor, indem er sie auf einer kontinuierlichen Zeitachse anordnete. Betrachtet man das Verhalten im Hier und Jetzt, kann man fragen, welche Mechanismen es ausgelöst haben, zum Beispiel neuronale Aktivität, Genexpression oder Hormonkonzentrationen, die das Verhalten wahrscheinlicher machen. Rückblickend auf die frühe Entwicklung kann die Ontogenese betrachtet werden, also welche Einflüsse in der frühen Lebensphase oder hormonelle Prägungen das Verhalten begünstigt haben. Noch weiter zurück liegend lässt sich die evolutionäre Geschichte des Verhaltens untersuchen, also wann es erstmals in einer Linie auftrat. In die Zukunft blickend können die Folgen des Verhaltens für Überleben und Fortpflanzung betrachtet werden, die die Wahrscheinlichkeit seines Auftretens in künftigen Generationen erhöhen oder verringern. Diese kontinuierliche Sichtweise der vier Fragen verdeutlicht anschaulich, wie notwendig es ist, alle vier Aspekte zu berücksichtigen, um ein ganzheitliches Verständnis von Verhalten zu erlangen – und zeigt, wie relevant Tinbergen auch Jahrzehnte nach der Veröffentlichung seines bahnbrechenden Artikels weiterhin ist.
Der Preis beinhaltet:
- eine Urkunde;
- einen Scheck über 1500€ (vom Wissenschaftsjournal Ethology, Wiley, gesponsert);
- eine Einladung die eigene Forschung bei der European Conference on Behavioural Biology vorzustellen und eine Übersicht der Arbeit in EthoNews zu veröffentlichen;
- eine Einladung einen Übersichtsartikel für Ethology (Wiley) zu schreiben oder einen Sonderband in Ethology zu organisieren.
Der Kandidat bzw. die Kandidatin sollte seit mindestens einem Jahr Mitglied der Ethologischen Gesellschaft e.V. sein. Bewerberinnen und Bewerber müssen ihre Promotion innerhalb der letzten sechs Jahre abgeschlossen haben, wobei längere Beurlaubungen wie längere Krankheitszeiten oder Elternzeit (d. h. ein Jahr pro Kind für Frauen sowie in Anspruch genommene Vaterschaftszeit für Männer) nicht mitgerechnet werden. Alle Preisvoraussetzungen, einschließlich des genauen Datums der Promotion, müssen in der Bewerbung deutlich angegeben werden.
Jedes Mitglied der Gesellschaft kann Kandidatinnen oder Kandidaten vorschlagen; Selbstbewerbungen sind ebenfalls willkommen. Die Nominierungen müssen in englischer Sprache eingereicht werden und Folgendes enthalten: eine kurze Zusammenfassung der Leistungen der Kandidatin/des Kandidaten, einen Lebenslauf sowie eine Publikationsliste. Alle Unterlagen sollten in einer einzigen PDF-Datei zusammengefasst und an unserer Förderbeauftragte gesendet werden.
Das für die Begutachtung der Bewerbungen zuständige Komitee besteht aus dem (erweiterten) Vorstand der Gesellschaft; weitere Mitglieder der Gesellschaft können nach Bedarf hinzugezogen werden. Werden in einer Runde weniger als zwei Kandidatinnen oder Kandidaten nominiert, kann die Nominierungsfrist verlängert werden. Bei weniger als zwei Nominierungen wird der Preis in dieser Runde nicht vergeben.
Die Nominierungsfrist für den nächsten Preis liegt beim 31. Dezember 2027. Eine Liste der Preisträger kann hier gefunden werden.
[1] Tinbergen, N. 1963 On aims and methods of ethology. Zeitschrift für Tierpsychologie 20, 410-433.
[2] Sapolsky, R.M. 2017 Behave. The biology of humans at our best and worst. London, Penguin.
Ebo Gwinner Preis
Eberhard, genannt Ebo, Gwinner war ein deutscher Ornithologe und Chronobiologe [3]. Seit der Gründung gehörte er der Ethologischen Gesellschaft an. Nach seiner Promotion in klassischer Ethologie, in der er unter der Betreuung von Konrad Lorenz über das Ausdrucks und Sozialverhalten des Kolkraben arbeitete, wandte er sich zunehmend der Erforschung biologischer Rhythmen und der Verhaltensendokrinologie zu. Aus der Verbindung dieser beiden Traditionen entwickelte er sein wissenschaftliches Markenzeichen: eine integrative Erforschung biologischer Zeitmessung unter natürlichen wie auch experimentellen Bedingungen. Besonders bekannt wurde er für seine grundlegenden Arbeiten zu circannualen Rhythmen und für seine bis heute maßgebliche Monographie zu diesem Thema. Darüber hinaus stieß er Forschungsfelder an, die sich weit über seine Lebenszeit hinaus weiterentwickelten, etwa die Untersuchung der Auswirkungen von Lichtverschmutzung und Urbanisierung auf wildlebende Organismen. Inhaltlich zog sich die Vogelmigration wie ein roter Faden durch sein Werk. Sie faszinierte ihn ein Leben lang, und er untersuchte sie in ebenso kühnen wie ausdauernden Experimenten auf verschiedenen Kontinenten.
Gwinner pflegte einen integrativen Führungs- und Forschungsstil, der für seine Zeit und sein institutionelles Umfeld außergewöhnlich war und bewusst auf Vielfalt setzte. So förderte er ausdrücklich Frauen in der Wissenschaft. Auf diese Weise schuf er eine Atmosphäre, in der sich alle wertgeschätzt und zugehörig fühlten: von Reinigungskräften, Tierpflegenden, technischen Mitarbeitenden und Sekretärinnen über Schülerinnen und Doktorandinnen bis hin zu Postdocs und erfahrenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Dies begünstigte ein außergewöhnlich offenes und wissenschaftlich anregendes Klima, das wesentlich zum nachhaltigen wissenschaftlichen Vermächtnis Gwinners und seines Teams beitrug. Sicherlich trug auch der weite Blick vom Institut über die Hügellandschaft bis hin zu den Bayerischen Alpen dazu bei, den Horizont im wörtlichen wie im übertragenen Sinne zu erweitern. Ebenso prägend waren die lebhaften wissenschaftlichen Diskussionen über geplante Projekte, sei es in formellen Runden oder bei informellen Gelegenheiten wie der täglichen Kaffeepause, in der viele Projektideen entstanden, bei Besuchen in der örtlichen Klosterbrauerei, bei Abendfeiern oder bei Volleyballturnieren nach Feierabend. All dies schuf eine familiäre Atmosphäre, mit der sich nahezu alle identifizierten und für die sie Verantwortung übernahmen für das, was liebevoll „das Insti“ genannt wurde. Zu Ebo Gwinners wissenschaftlichem Erbe gehört nicht zuletzt seine Fähigkeit, zu führen, ohne sich in den Vordergrund zu stellen. Damit verkörperte er ein erstaunlich modernes Verständnis wissenschaftlicher Exzellenz, das seinen frühen Tod im Jahr 2004 überdauerte.
Um für den Preis in Betracht gezogen zu werden, müssen potenzielle Preisträger ihre Arbeit im Rahmen der Jahrestagung der Ethologischen Gesellschaft entweder als Vortrag oder Poster präsentieren. Zum Zeitpunkt der Präsentation müssen die Bewerber Bachelor-, Master- oder Promotionsstudierende sein. Die Auszeichnung für den besten Votrag und das beste Poster ist mit einem Preisgeld von jeweils 200 € dotiert und wird von einer Jury vergeben, die von den Organisatoren der jeweiligen Jahrestagung ernannt wird.
[3] Helm B, Hau M, Goymann W, 2022. Eberhard Gwinner. In: Nelson RJ, Weil ZM, Hrsg. Biographical History of Behavioral Neuroendocrinology. Cham: Springer International Publishing. S. 213–228.
