Ehrenmitglieder
Die Ethologische Gesellschaft vergibt die Ehrenmitgliedschaft an Mitglieder unserer Gesellschaft, die sich aufgrund ihres Engagements in der Ethologischen Gesellschaft e.V. und/oder ihrer außerordentlichen Verdienste zur Weiterentwicklung der Ethologie auf internationaler Ebene verdient gemacht haben. Ehrenmitgliedschaften sind lebenslange Ernennungen und die höchste Ehrung, die die Ethologische Gesellschaft einer Person verleiht. Kandidat*innen können von Vereinsmitgliedern mit einem kurzen Schreiben vorgeschlagen werden. Nominierungen sind jederzeit möglich und werden vom Vorstand gemeinsam mit dem erweiterten Vorstand begutachtet. Nachfolgend finden Sie eine Liste aller unserer ehemaligen und gegenwärtigen Ehrenmitglieder (chronologisch):
Nikolaas Tinbergen (1982 – 1988)
Konrad Lorenz (1982 – 1989) *
Günter Tembrock (1986-2011)
Gerald Baerends (1989 -1999)
Christiane Buchholz (2000 – 2023)
Dierk Franck (2000-2023)
Eberhard Curio (2000-2020)
Piet Sevenster (2000-2014)
Serge Daan (2008-2018)
Dietrich von Holst (2008-2025)
Fritz Trillmich (seit 2013)
Norbert Sachser (seit 2013)
Barbara König (seit 2023)
Michael Taborsky (seit 2024)
* Im Jahr 1982 bat die Ethologische Gesellschaft die beiden Nobelpreisträger Nico Tinbergen und Konrad Lorenz, ihre ersten beiden Ehrenmitglieder zu werden. Beide Wissenschaftler hatten maßgeblich dazu beigetragen, die Verhaltensbiologie als als eigenständiges Forschungsgebiet innerhalb der Biologie zu etablieren und die Ethologische Gesellschaft wollte diese Leistung würdigen.
Konrad Lorenz war ein scharfsinniger Beobachter des Tierverhaltens. Er hatte einen nachhaltigen Einfluss auf das Forschungsgebiet, insbesondere im deutschsprachigen Raum. Durch seine populären Bücher inspirierte er mehrere Generationen dazu, sich der Verhaltensbiologie zu widmen.
Allerdings hatte Lorenz auch eine dunkle Seite. Während des NS-Regimes in Deutschland war er Mitglied der NSDAP und unterstützte aktiv die biologistischen und eugenischen Ideen, die für das NS-Regime von zentraler Bedeutung waren. Nach dem Untergang der Hitler-Diktatur spielte Lorenz seine Rolle herunter. Zeit seines Lebens schien er nie über seine Ansichten bezüglich menschlicher Degeneration und gesellschaftlichen Niedergangs reflektiert zu haben (Kalikow, 2020). Darüber hinaus veröffentlichte er weiterhin populäre Bücher, in denen er diese Ansichten verbreitete (z.B. in „Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit“).
Wer sich näher mit Konrad Lorenz’ Rolle während und nach der Zeit des Nationalsozialismus befassen möchte, findet in Kalikow (2020) einen gut zugänglichen Einstieg. Eine ausführlichere historische Einordnung der Anfänge der Ethologie, einschließlich der Rolle von Lorenz im NS-Regime, bietet Burkhardt (2005).
Lorenz wurde 1982 Ehrenmitglied unserer Gesellschaft; seine Mitgliedschaft endete mit seinem Tod im Jahr 1989. Die Ethologische Gesellschaft steht für Freiheit, Gleichheit, Humanismus und Demokratie – was wir auf unserer Homepage darlegen. Diese Werte stellen ethische Grundwerte der Menschlichkeit dar, und wir sind der Überzeugung, dass Wissenschaft nur in einem solchen Umfeld gedeihen kann. Wäre Lorenz noch am Leben, würden wir ihn nicht mehr als Ehrenmitglied unserer Gesellschaft in Betracht ziehen.
Burkhardt RW, 2005. Patterns of behavior. Konrad Lorenz, Niko Tinbergen, and the founding of ethology. Chicago and London: University of Chicago Press.
Kalikow TJ, 2020. Konrad Lorenz on human degeneration and social decline: a chronic preoccupation. Animal Behaviour 164:267-272. doi: https://doi.org/10.1016/j.anbehav.2020.01.007.
